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Maisema, Koli National Park

Protected Areas In-Sight Interview: Weltnaturerbestätten und Schutzgebieten

Issue 1, October 2009

Eine UNESCO-Weltkulturerbestätte (WHS) ist ein Ort, der in die vom Welterbekomitee (WHC) geführte Liste der Welterbestätten aufgenommen wurde. Auf der Welterbeliste befinden sich derzeit 890 zum Natur- und Kulturerbe gehörende Denkmäler, die laut der Beurteilung des Welterbekomitees von außergewöhnlichem universellem Wert sind. Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (UNESCO) widmet sich der Definition, dem Schutz und der Bewahrung des Kultur- und Naturerbes auf der ganzen Welt, das außerordentlich wertvoll für die Menschheit ist.

Gegenwärtig ist häufig von den UNESCO-Weltnaturerbestätten die Rede. Was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff, und was hat das UNESCO-Konzept mit den europäischen Schutzgebieten zu tun? EUROPARC sprach mit Tim Badman, Weltnaturerbe-Berater der IUCN.

Seit August 2007 arbeitet Tim Badman als Weltnaturerbe-Berater bei der IUCN. Zuvor war er in der Kreisverwaltung der Stadt Dorset (UK) als Leiter des Umweltressorts tätig. Zwischen 2000 und2006 leitete er die Weltnaturerbestätte Dorset and East Devon Coast World (UK). In dieser Funktion war er auch an der Betreuung des Nominierungsprozesses, der im Jahr 2001 zur Aufnahme der Stätte in die Liste der Weltkulturgüter führte, sowie an der anschließenden Ausarbeitung des Welterbeprogramms für diese Stätte beteiligt.

1) Tim, welche Rolle spielt die IUCN, und welche Organisationen sind außerdem beteiligt?

Im Rahmen der Welterbekonvention übernimmt die IUCN die Bewertung der als Weltnaturerbe anerkannten Gebiete. Sie beobachtet die ausgewählten Standorte und erstattet dem Welterbe-Komitee Bericht über alle Vorgänge, die die Standorte beeinträchtigen könnten, und organisiert die Bildungsarbeit für die Standortmanager. Der Bewertungsprozess erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Regierungen der Länder, insbesondere aber mit den Standortmanagern. Diese wiederum zeigen den Evaluatoren die Standorte und unterstützen sie beim Beobachtungs- und Bewertungsprozess. Der fachkundige Rat der IUCN-Weltkommission für Schutzgebiete (WCPA) spielt im Bewertungsprozess und bei der Beobachtung eine fundamentale Rolle.

2) Welche Standorte werden ausgewählt und wie? Warum fällt die Wahl auf bestimmte Orte?

 

Die Welterbe-Kulturstätten sind in verschiedene Kategorien unterteilt; es gibt Naturstätten und eine kleine Zahl gemischter Stätten. Um in die UNESCO-Liste aufgenommen zu werden, muss ein Ort durch das Welterbe-Komitee als Stätte von außerordentlichem Wert anerkannt werden. Kulturstätten, das heißt, Kulturlandschaften, Monumente, Gebäude und Stadtkerne, werden von verschiedenen Beratungsorganen und ICOMOS-Mitgliedern eingeschätzt. Naturstätten müssen in mindestens einer der Kategorien natürliche Schönheit, Geologie, Lebensräume als besonders eingestuft werden oder als wichtig für den Erhalt besonderer Arten gelten.

3) Wie werden die Naturstätten geschützt? Welchen Vorteil bringt die Anerkennung als Weltnaturerbe mit sich?

Wurde ein Standort in die Liste aufgenommen, hat die Regierung des jeweiligen Landes dafür Sorge zu tragen, dass das Gebiet weiter geschützt wird. Wird ein Ort für die Aufnahme in die Liste vorgeschlagen, ist davon auszugehen, dass der Erhalt der Stätte von nationalem Interesse ist. Die Konvention erwartet von der jeweiligen Regierung, dass diese ihr Möglichstes tut, um die Stätte zu schützen.

Die Regierung ist verpflichtet, alle sechs Jahre über jeden Standort und dessen Schutz- und Managementsituation einen detaillierten Bericht einzureichen. Falls Probleme auftauchen, kann jederzeit ein reaktives Monitoring durchgeführt werden. Weltkulturerbestätten, deren Werte gefährdet sind, werden in die „rote Liste“ gefährdeter Standorte eingetragen.

Diese Einstufung als Welterbestätte wirkt in mehrfacher Hinsicht unterstützend: Die Pflegearbeit der erfassten Standorte wird gefördert, indem sie einen vereinfachten Zugang zu Ressourcen erhalten. Die Gebiete werden national und international als Weltkulturerbestätten wahrgenommen, dadurch steigt sowohl die Wertschätzung durch die Bevölkerung vor Ort als auch landesweit. Der Bekanntheitsgrad wächst und mit ihm auch der regionale Tourismus vor Ort, was mit einem umsichtigen lokalen Management durchaus als eine positive Entwicklung gewertet werden kann.

4) Die jüngsten als Naturstätten anerkannten Gebiete sind das niederländisch-deutsche Wattenmeer und die Dolomiten in Italien. Warum wurden diese Gebiete ausgewählt? Gibt es noch weitere Gebiete, die als europäische Naturstätten nominiert wurden?

Das Wattenmeer ist eine grenzüberschreitende Naturstätte, die aufgrund ihres geologischen Reichtums, ihrer biologischen Vielfalt und ihrer Funktion als Lebensraum in die Liste aufgenommen wurde. Das Gebiet ist eines der größten Systeme aus Meeres- und Küstengebiet und als solches von besonderem Wert. Auch als Schutzhort der biologischen Vielfalt ist dieser Raum sehr wichtig. Dies zeigt sich nicht zuletzt in seiner erstaunlichen Vogelpopulation: Im Wattenmeer leben Millionen von Vögeln. Die Dolomiten wurden aufgrund ihres geologischen Werts und ihrer Eigenarten als Landschaft gewählt. Das verdankt das Gebirge sowohl seiner Farbe, dem einzigartigen blassen Felsgestein, als auch den unverwechselbaren Türmen und Klippen.

Die Anerkennung europäischer Stätten zum Welterbe geht indes weiter: Dieses Jahr wurden fünf neue Orte in der Europäischen Union zu Welterbestätten ernannt.

5) In welchem Verhältnis steht die Konvention zu den Schutzgebieten? Können gesamte Schutzgebiete zu Naturerbestätten erklärt werden?

Ja, das können sie. Tatsächlich waren bisher die meisten der in die Liste aufgenommenen Naturstätten Schutzgebiete. Derzeit bestehen die meisten Naturerbestätten aus mehr als einem Schutzgebiet. Die ausgewählten Stätten sollten dauerhaft effektiven Schutz genießen und umsichtig verwaltet werden, damit ihr Welterbestatus nach der Nominierung erhalten bleibt.

6) Welche sind die größten Herausforderungen, denen sich die Welterbestätten in Europa, insbesondere die Naturstätten, derzeit stellen müssen?

Europa verfügt über die meisten Welterbestätten; wenn wir die Kulturstätten dazunehmen, liegt die Hälfte aller Standorte in Europa. Es ist immer wieder eine Herausforderung, neue Welterbestätten in Europa zu finden, insbesondere aufgrund des Veränderungsgrads der Landschaften. Die Probleme der Welterbestandorte in Europa variieren; Entwicklungsdruck und Tourismus bleiben jedoch Dauerthemen. Welterbestätten sind ein lebendiges Beispiel für Best-Practice-Maßnahmen, und besonders in Europa sollten solche Vorbild-Stätten existieren.

Danke, dass du dir für uns Zeit genommen hast, Tim.

Weitere Informationen finden Sie unter http://whc.unesco.org/en oder www.iucn.org/about/work/programmes/wcpa_worldheritage


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