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Great Otway National Park. Moonlight Head is a typical example of the beautiful coastline near the Great Ocean Road.

Protected Areas In-Sight Interview: Über die Grenzen Europas hinaus

Schutzgebiete in Australien

Wir können unsere natürlichen Ressourcen nur dann erfolgreich verwalten, wenn wir über die Grenzen unseres Kontinents hinaus blicken. An dieser Stelle möchten wir unseren Leserinnen und Lesern zeigen, wie Schutzgebietsmanagement in anderen Teilen der Erde aussieht. Heute stellen wir das australische Schutzgebietssystem, die Themen und Schwerpunkte des Naturschutzes am anderen Ende der Welt vor. Dazu sprachen wir mit Neil McCarthy, Generaldirektor von Parks Victoria und Vorsitzender des Parks Forums, des australischen und neuseeländischen Verbands der Parkverwaltungen. Auf unserer Konferenz im September wurde ein Abkommen zwischen EUROPARC und Parks Forum unterzeichnet, das den Weg für eine zukünftige engere Zusammenarbeit der beiden Kontinente im Bereich Schutzgebietsmanagement ebnen soll.

Neil, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mit uns über Schutzgebiete in Australien zu sprechen.

1) Bitte erzählen Sie uns kurz etwas über Park Forums und seine Zusammenarbeit mit den neuseeländischen und australischen Parkverwaltungen.

Unsere Arbeit begann 1994 als International Parks Strategic Partners. 2004 wurde dann das Parks Forum gegründet. Unsere gemeinsame Basis ist der Wunsch zusammenzuarbeiten und die Erkenntnis, dass wir unser Wissen austauschen müssen. Das Forum ist ein Knotenpunkt für Netzwerkarbeit, Konferenzen, Engagement, Informationsaustausch, die Entwicklung von Qualitätsstandards und Forschungsförderung. Ein feststehender Ausschuss befasst sich mit Führungs- und Grundsatzfragen, Best-Practice-Methoden und Standards, Wissen und Forschung und dem Austausch von Fähigkeiten. Er kümmert sich darum, den Zusammenhang zwischen Parks, Natur und Gesundheit zu kommunizieren.

2) Wie funktioniert das Schutzgebietssystem in Australien und Neuseeland?

Die über 9.000 australischen Schutzgebiete machen 11,5 % der Gesamtfläche des Landes aus. In Australien liegt die Verwaltung der Parke einschließlich der nationalen, regionalen und der Stadtparke verantwortlich in der Hand der Bundesgerichte. Jeder Bundesstaat verfügt über eigene gesetzliche Regelungen bezüglich der Verwaltung der Parke. Die Parkverwaltungen sind normalerweise an die Umweltministerien angeschlossen und bewältigen planerische, strategische und praktische Aufgaben.  Dagegen ist Parks Australia (Commonwealth) auf nationaler Ebene tätig und verwaltet eine kleine Gruppe prominenter Parke wie Ularu, Kakadu Great Barrier Reef sowie eine Reihe von Inseln und weitere Schutzgebiete. Parks Australia leistet außerdem wichtige strategische Beratungsarbeit auf nationaler und internationaler Ebene.

3) Welches sind derzeit die Stärken und Schwächen australischer Schutzgebiete?

Derzeit sind 11,5 % des australischen Bodens geschützte Fläche, und weitere Ureinwohnerschutzgebiete werden eingerichtet. Dazu werden inzwischen auch private Schutzgebiete anerkannt. Doch leider sind die Meeresgebiete nicht ausreichend geschützt. Wir müssen die Ökosystemdienstleistungen stärker einbringen. Beispielsweise erkennen die Menschen an, dass Parke gut für die Umwelt sind, sehen jedoch nicht die Vorteile, die nicht direkt mit Umwelt zu tun haben, wie Biodiversität oder das Prinzip Healthy Parks Healthy People. Außerdem entspricht die Höhe der Investitionen in die Parke etwa dem Wert, den Regierung und Öffentlichkeit dem Park beimisst; ist dieser niedrig, sind auch die Investitionen gering,

4) Welche Probleme sieht die Schutzgebietsarbeit derzeit, und wie bewältigt Parks Forum die Herausforderungen?

Unser Kernproblem heißt derzeit ganz klar Wandel: Klimawandel, Städtewachstum (Wandel urbaner Strukturen) sowie Veränderungen hinsichtlich des finanziellen Drucks. Parks Forum versucht hier, Kooperationen zu initiieren: Parkverwaltungen zusammenzubringen, um Probleme gemeinsam zu bewältigen und die Zusammenarbeit der Parkverwaltungen mit anderen Sektoren wie Gesundheit oder Freizeit zu fördern, damit gemeinsam um das Engagement der Bevölkerung in den Parken geworben werden kann. Wir möchten auch auf internationaler Ebene Verbindungen zwischen Parkverwaltungen schaffen, wie zum Beispiel durch die Partnerschaft mit EUROPARC, um Wissen auszutauschen und unsere Managementarbeit mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln so hochwertig wie möglich zu gestalten. Wir möchten Bestandsaufnahmen von Landschaften machen und unser Wissensmanagement noch stärker auf den Austausch und die Verfügbarkeit von Wissen ausrichten.

5) Internationale Kooperation und Netzwerkarbeit sind für EUROPARC sehr wichtig. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit dem Parks Forum. Wo sehen Sie die Vorteile einer internationalen Zusammenarbeit?

Klare Vorteile sind Ressourcen-Sharing innerhalb der Mitgliedsorganisationen, die Weitergabe von Ideen und innovativen Ansätzen, Austausch von Fachpersonal, Kompetenzentwicklung, internationale Unterstützung im Katastrophenfall.

6) Was können europäische und australische Schutzgebiete voneinander lernen?

Australier und Neuseeländer können noch einiges lernen im Hinblick auf die Bewahrung unseres Kulturerbes und den Umgang mit Privatbesitz innerhalb der Schutzgebiete. Auch über kooperatives Arbeiten haben wir dank der EU- und EUROPARC-Programme Neues gelernt. In den Bereichen innovatives Landschafts- und Schutzmanagement, Einbindung von Gemeinden durch Programme wie Healthy Parks Healthy People, Mitarbeiterausbildung und Austauschprogramme kann man hingegen von Australien und Neuseeland lernen.

7) Wo stehen australische Schutzgebiete nach Meinung von Parks Forum in 20 Jahren, und wie können sie dorthin gelangen?

Es wird ein umfassendes, robustes System sein. Ein großer Teil der Managementaufgaben wird in Kooperation mit den traditionellen Besitzern des Landes bewältigt, es wird mehr Ureinwohnerschutzgebiete geben, wir werden weit reichende öffentlich-private Partnerschaften begründen, zum Beispiel mit dem Gesundheitssektor. Es wird mehr Zeit in Gefahrenabwehr (Feuer, Hochwasser, Unwetter, Stromausfall) investiert werden, das Parkmanagement wird zwangsläufig dynamischer werden; es wird Investitionen in Biospeicher geben, der Kohlenstoffhandel wird sich zu einem Wirtschaftsfaktor des Parkmanagements entwickeln; die Wertschätzung der Parks durch die Bevölkerung und deren Engagement nehmen zu; das Parkmanagement an sich wird sich zu einer anspruchsvollen Aufgabe entwickeln, die oft tatkräftiges Einschreiten erfordert.

Hier finden Sie mehr Informationen auf Englisch über Parks Forum

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